Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes, der Ökosystemleistungen und der Vernetzung der Grünland-LRT 6210(*), 6240* und 6510 im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz (WEGe)

  • Projektziele

    Projektziele

    Die Offenlandlebensraumtypen (LRT) 6210(*) (Kalk-Trockenrasen), 6240* (Subpannonische Steppen-Trockenrasen) und 6510 (Magere Flachland-Mähwiesen) besitzen sowohl aus quantitativer als auch qualitativer Sicht eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung für Sachsen-Anhalt. Sie weisen im Südharz, einer der bedeutendsten Kulturlandschaften mit sehr hohem Grünlandanteil, aber vielfach Defizite auf. Neben der Beeinträchtigung v. a. durch Unternutzung, suboptimales Management oder Einwanderung des wertmindernden Neophyten Bunias orientalis (Orientalisches Zackenschötchen), nimmt der Isolationsgrad durch beeinträchtigte oder fehlende Vernetzungselemente stetig zu. Ziel der im Rahmen des Vorhabens geplanten Maßnahmen ist die Wiederherstellung der stark beeinträchtigten Biodiversität und Ökosystemleistungen sowie der Verbesserung der Erhaltungszustände und Vernetzung der LRT 6210(*), 6240* und 6510. Dadurch wird nicht nur der naturschutzfachliche Wert, sondern auch die Grundlage für die Bewirtschaftung dieser halbnatürlichen, nutzungsabhängigen Lebensräume wiederhergestellt sowie nachhaltige Stoffkreisläufe, Bestäuberleistungen und die Erholungsfunktion gesichert. Die Maßnahmen leisten einen wesentlichen Beitrag für die Verbesserung der Grünen Infrastruktur im ländlichen Raum, deren außerordentlich hohe Bedeutung mit Blick auf ein breites Spektrum an Ökosystemleistungen herausgestellt wird.

     

    Folgende Arbeitsschwerpunkte sind Bestandteil des Projekts:

    • Verbesserung des Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen 6210(*) (Kalk-Trockenrasen), 6240* (Subpannonische Steppen-Trockenrasen) und 6510 (Magere Flachland-Mähwiesen)
    • Aufbau der regionalen Vermehrung von LRT 6240*-Arten
    • Wiederansiedlung und Populationsstärkung von Scorzonera purpurea (Violette Schwarzwurzel, RL 1) und Scabiosa canescens (Graue Skabiose, Verantwortungsart)
    • (Wieder)Vernetzung von Lebensraumtypen und Förderung zahlreicher faunistischer Artengrup-pen (Fledermäuse, Insekten: u. a. Tagfalter, Widderchen, Nachtfalter, Wildbienen)
    • Sicherung oder Wiederherstellung der Bewirtschaftbarkeit der nutzungsabhängigen Grünlandle-bensraumtypen und Unterbindung der weiteren Ausbreitung von Bunias orientalis (Orientalisches Zackenschötchen)

       

     

  • Lebensraumtypen 6210(*), 6240* und 6510

    Lebensraumtypen 6210(*), 6240* und 6510

    Die potenziellen Maßnahmenflächen mit hohem Verbesserungspotenzial wurden im Frühjahr 2022 kartiert und ausgewählt. In der Flächenkulisse sind 11 ha magere Flachland-Mähwiesen des LRT 6510 in der Umgebung von Großleinungen und Pölsfeld, 5 ha naturnahe Kalk-Halbtrockenrasen und deren Verbuschungsstadien des LRT 6210(*) zwischen Roßla und Pölsfeld und 9 ha subpannonische Steppen-Trockenrasen des LRT 6240 in der Region um Wallhausen enthalten. Alle Flächen befinden sich momentan in einem verbesserungswürdigen Erhaltungszustand.

     

    Im Oktober 2022 wurde mit der partiellen Einsaat von gebietsheimischem Saatgut auf Teilflächen der LRT 6210(*) und 6510 begonnen, um die Etablierung typischer Arten zu ermöglichen und so das floristische Arteninventar der Flächen zu erhöhen. Die Saatgutmischungen wurden entsprechend der einzelnen Standorte und Pflanzengesellschaften erstellt und weisen einen hohen Kräuteranteil auf. Zwischen Januar und März 2023 wurden dann die Maßnahmen zur Erstinstandsetzung (Entbuschungen, Entfernung der Streuauflage, Mahd) durchgeführt.

     

    Im Sommer 2023 erfolgten Vegetationsaufnahmen und Zählungen der Zielarten zur ersten Erfolgskontrolle der umgesetzten Maßnahmen. Diese werden im Sommer 2024 wiederholt.

     

    Für die Steppen-Trockenrasen wird aktuell eine Vermehrung der einzubringenden Arten aufgebaut.

  • (Wieder-)Vernetzung von Lebensraumtypen

    (Wieder-)Vernetzung von Lebensraumtypen

    Von August bis September 2022 und 2023 wurden rund 3.000 m Wegraine im Biosphärenreservat durch das Einbringen von artenreichen Wildkräutermischungen aus zertifizierter, gebietseigener Vermehrung aufgewertet. Diese befinden sich in den Gemarkungen Pölsfeld, Obersdorf, Morungen, Lengefeld, Großleinungen und Kleinleinungen. Die Auswahl der Flächen erfolgte auf Grundlage einer im Frühjahr durchgeführten Potentialanalyse mit Fokus auf Wegrainen welche artenarm, blüharm und gräserdominiert sind sowie eine gute Demonstrationswirkung besitzen. Sechs der acht aufgewerteten Wegraine befinden sich entlang des Karstwanderweges. In den ersten Jahren nach Etablierung der Wegraine werden eine Entwicklungspflege der Wegraine sowie eine Erfolgskontrolle durchgeführt.

    Die Wegraine wurden mit Freischneidern gemäht und das Mahdgut abgeräumt (links: Mahd auf dem Wegrain in der Gemarkung Obersdorf). Für die Herstellung eines möglichst feinen Saatbetts erfolgte die  Bodenbearbeitung zwei- bis dreimal im Abstand von ca. zwei bis drei Wochen (mitte: Bodenbearbeitung mit dem Grubber auf dem Wegrain bei Lengefeld). Anschließend wurden mehrjährige Wildkräutermischungen zur Förderung von faunistischen Zielartengruppen wie z.B. Wildbienen, Tagfaltern und Nachtfaltern sowie zur Vernetzung der Offenland-Lebensraumtypen 6210(*) und 6510 eingebracht (rechts: Einsaat auf dem Wegrain bei Großleinungen).

     

    Poster: Aufwertung von Wegrainen im Südharz

     

  • Neophyt Bunias orientalis (Orientalisches Zackenschötchen)

    Neophyt Bunias orientalis (Orientalisches Zackenschötchen)

    Die Ausbreitung des Orientalischen Zackenschötchens (Bunias orientalis) ist in vielen Orten des Südharzes ein Problem, wo sie punktuell dichte Dominanzbestände bildet.

    Deswegen wurden im Mai 2022 im Südharz Versuche zur Bekämpfung des Orientalischen Zackenschötchens (Bunias orientalis) angelegt. Auf insgesamt 8 Versuchsflächen wurde das Ausstechen, Aushacken, Mähen und das Abdecken mit Folie erprobt und die Entwicklung von B. orientalis sowie der Begleitvegetation alle 2 Wochen erfasst. Dazu gehörte das Schätzen der Deckung und das Zählen der Rosetten, Keimlinge und Triebpflanzen von B. orientalis. Ende September erfolgte auf den Ausstech-Varianten die hälftige Einsaat von 14 konkurrenzkräftigen Rosettenarten, die B. orientalis in den Folgejahren verdrängen sollen. Die Versuchsreihe wurde 2023 fortgeführt und durch engmaschige Erfassungen begleitet.
    Parallel zu den Erfassungen wurden Sofortmaßnahmen, die die weitere Ausbreitung von B. orientalis im Südharz eindämmen sollen, umgesetzt. Auf sieben Wegrainen und zwei Flächen des Lebensraumtyps 6510 konnte das Aussamen der Art durch Ausstechen oder Mähen verhindert werden. Im kommenden Jahr werden die Standorte kontrolliert und die Maßnahmen bei Bedarf wiederholt.

     

    Flyer: Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis)  

    Poster: Versuche zur Bekämpfung des Orientalischen Zackenschötchens

    Praxisleitfaden: Handlungsoptionen für die Bekämpfung des Orientalischen Zackenschötchens (Bunias orientalis L.) (57,4 MB)

     

  • Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit

    Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit

    Informationsflyer zu Bunias orientalis (Orientalisches Zackenschötchen)

    Praxisleitfaden: Handlungsoptionen für die Bekämpfung des Orientalischen Zackenschötchens (Bunias orientalis L.) (57,4 MB)

     

    Für Informationen zu anstehenden Veranstaltungen des Projekts besuchen Sie bitte unsere Ankündigungen.

    Managementempfehlungen für die FFH-Lebensraumtypen 6440 (Brenndolden-Auenwiesen), 6510 (Magere Flachland-Mähwiesen) sowie 6520 (Berg-Mähwiesen) finden sie im Grünlandleitfaden.

    Aktuelle Einblicke in die Arbeit des Projekts sind auch auf dem Kanal von Offenlandinfo bei Instagram möglich.

 


Projektleitung: Prof. Dr. habil. Sabine Tischew
Projektbearbeitung: Nele Adert (M. Sc.), Marika Ley (M. Sc.), Maren Meyer (M. Sc.)
Projektlaufzeit: 01/2022 - 09/2024 (FKZ: 407.1.11-60128/630121000019)

Europa-ELER, ELER-Sachsen-Anhalt, Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt

Kooperationspartner: Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz