WeideVielfalt - Bündnis für Weidevielfalt (in Sachsen-Anhalt): mit Innovationen und Wissenstransfer zu mehr Arten- und Strukturreichtum

  • Projektziele

    Projektziele

    In einem Verbund von sechs Partnern aus Wissenschaft, Naturschutz und Landwirtschaft aus Sachsen-Anhalt mit umfassenden Projekterfahrungen sollen innovative Lösungen zur Förderung der Struktur-, Pflanzen- und Tierartenvielfalt auf beweidetem Grünland entwickelt und auf Demonstrationsflächen der Projektpartner umgesetzt werden. Darauf aufbauend soll ein umfassendes Beratungsangebot entwickelt werden, um weitere Landnutzende für die Umsetzung erfolgversprechender Maßnahmen auf ihren Flächen zu gewinnen. Der Verbund WeideVielfalt wird zunächst in sieben Modell-Weidegebieten in Sachsen-Anhalt mit einer großen Vielfalt an Weideformen, Weidetieren und Lebensräumen aktiv werden. Insgesamt sollen während der fünfjährigen Projektlaufzeit auf mindestens 700 ha Maßnahmen umgesetzt werden. Alle Aktionen werden von einer vielfältigen Öffentlichkeitsarbeit begleitet.

    Im Zentrum des Projektes stehen drei aktuelle Herausforderungen:

    (1) die erfolgreiche Etablierung von floristischen und faunistischen Zielarten auf ehemals struktur- und artenarmen Intensivgrünländern oder Brachen mittels Anpassungen im Beweidungsregime und der Anlage innovativer Etablierungsfenster mit Wiesendruschmaterial und/oder zertifiziertem Wildpflanzensaatgut.

    (2) Abbau von Defiziten im Wissenstransfer zu Lösungsansätzen und in der Kommunikation zwischen den verschiedenen betroffenen Akteursgruppen durch eine zielorientierte Mediation und umfassende Öffentlichkeitsarbeit auf verschiedenen Ebenen und unter Einsatz moderner Kommunikationsinstrumente.

    (3) In der Summe der Maßnahmen soll einem weiteren Rückgang der extensiven Weidetierhaltung entgegengewirkt werden. Die Vergabe einer Plakette WeideVielfalt soll dabei zusätzlich die Motivation der Landnutzenden befördern und ihre Gemeinwohlleistungen honorieren. Web-Tutorials und der Aufbau eines Weiterbildungsangebotes an der Hochschule Anhalt werden zudem eine bundesweite Nutzung der Projektergebnisse gewährleisten.

  • Arbeitspakete

    Arbeitspakete

    Arbeitspaket 1: Anlage von Demonstrationsflächen zur Erhöhung des Struktur-, Blüten- und Tierartenreichtums mittels Anpassungen im Beweidungsregime (2023–2028)

    Im Sinne eines adaptiven Managements soll auf Demonstrationsweideflächen das Beweidungsmanagement über die gesamte Projektlaufzeit hinsichtlich Struktur- und Pflanzenartenvielfalt sowie des Blütenangebots fortlaufend evaluiert und auf der Grundlage der Ergebnisse das Management kontinuierlich optimiert werden. Wesentliche Steuerungsgrößen für das Weidemanagement sind eine temporäre Veränderung der Besatzstärke oder temporär ergänzende Mahd-Maßnahmen zur Zurückdrängung unerwünschter Pflanzenarten (z. B. Dominanzbestände von Gräsern). Aber auch die Auskoppelung von Schutzzonen während der Flugzeit von Insekten und die Entwicklung von blütenreichen Saumstrukturen sowie das gezielte Belassen von überständiger Vegetation als Überwinterungshabitat für Insekten sind wesentliche Steuerungsgrößen. Ziel ist ein Mosaik aus unterschiedlichen Vegetationsstrukturen, das den Habitatansprüchen möglichst vieler charakteristischer Pflanzen- sowie Insektenarten entspricht und nicht nur auf einzelne Arten oder Artengruppen fokussiert. Auch der Dung von Weidetieren kann einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Nahrungsangebotes für daran gebundene Insektenarten (und über die Nahrungskette auch für Weidevögel) leisten. Deshalb sollen Antiparasitika bei Weidetieren sparsamer und nicht generell präventiv eingesetzt werden.

    Arbeitspaket 2: Wiederansiedlung von floristischen Zielarten auf Demonstrationsflächen (Schwerpunkt 2023–2025)

    In diesem Arbeitspaket sollen Demonstrationsflächen auf frischen bis (wechsel‑)feuchten Weiden beispielhaft aufgewertet werden. Dies soll über 3 x 3 m bis 5 x  5 m große Etablierungsfenster geschehen, in die Wildpflanzensaatgut eingebracht oder Wiesendruschmaterial aufgebracht wird, so dass die Weideflächen aufgewertet werden. Dies beinhaltet Flächen, auf denen floristische Zielarten entweder lokal ausgestorben sind (ehemalige Intensivweiden) oder nach Umwandlung von Acker in Grünland (Spontansukzession oder Einsaat mit Grasmischungen) auch nach längeren Zeiträumen unter einer extensiven Beweidung nicht einwandern konnten. Ein besonderer Fokus bei der Ansaat wird auf die Entwicklung eines möglichst über die Vegetationsperiode hinweg durchgehenden Blühaspektes mit wichtigen Nektar- und Pollenressourcen sowie ein umfangreiches Samenangebot gelegt. Der Erfolg der Maßnahmen wird über den gesamten Projektzeitraum hinsichtlich der Pflanzenartenvielfalt und der Etablierung der eingebrachten Zielarten sowie hinsichtlich der Effekte auf Wildbienen und Tagfalter/Widderchen überprüft.

    Arbeitspaket 3: Wiederherstellung und Aufwertung von FFH Lebensraumtypen (2023–2025)

    Fokus dieses Arbeitspaketes sind die Wiederherstellung und Aufwertung von Fauna-Flora-Habitat-Lebensraumtypen (FFH-LRT). Geplant sind entsprechende Maßnahmen vor allem auf Weideflächen, insbesondere Ziegenweiden, im Unteren Saaletal, bei denen FFH-LRT (v. a. Kalk-Trockenrasen 6210(*), Steppenrasen 6240(*)) wiederhergestellt bzw. deren Erhaltungszustände verbessert werden sollen, da diese durch Unterbeweidung oder Nutzungsaufgabe und damit einhergende Bracheprozesse (z.B. Verbuschung, Vergrasung) ihr lebensraumtypisches Artenspektrum weitgehend verloren haben. Nach einer Erstinstandsetzung durch Entbuschungen oder alternativ einer intensiven Phase der Ziegenbeweidung soll geprüft werden, ob die Zielarten sich wieder spontan etablieren können. Um den Renaturierungserfolg zu unterstützen, sollen ausbleibende LRT-Arten mit den unter dem Arbeitspaket 2 beschriebenen Methoden wiederangesiedelt werden. Daneben soll im Rahmen dieses Arbeitspaketes die Binnensalzstelle Hecklingen, die durch Salzwiesenvegetation (LRT 1340*) geprägt, aber in großen Teilen stark verschilft ist, aufgewertet werden. Hier sollen bei Bedarf ersteinrichtende Maßnahmen zur Zurückdrängung des Schilfs umgesetzt werden, um die Biodiversität und die vor Ort durchgeführte Konikbeweidung zu befördern. Weiterhin sind Aufwertungsmaßnahmen durch Rückführung von Pflegedefiziten im Bereich von mit Koniks und Heckrindern beweideten Grünlandflächen wechselfeuchter Standorte (LRT 6510, 6440) vorgesehen.

    Arbeitspaket 4: Aufbau eines landes- und bundesweiten Beratungsangebotes und Entwicklung einer Auszeichnungsplakette WeideVielfalt (Schwerpunkt 2026–2028)

    Aufbauend auf den langjährigen Erfahrungen der Projektpartner und unter Einbeziehung bereits erfolgreich entwickelter und im Projekt neu angelegter Demonstrationsflächen werden zielgruppenspezifische Beratungs- und Mediationsangebote entwickelt. Auf diesen Flächen ist ein breites Spektrum an Weidetieren vertreten (unter anderem Burenziegen, Exmoor-Ponys, Galloways, Heckrinder, Koniks, Schafe, Wasserbüffel), um die verschiedenen Vorgehensweisen beim Weidemanagement berücksichtigen zu können. Für die Öffentlichkeitsarbeit sollen neben klassischen Ansätzen wie der Organisation von zielgruppenspezifischen Workshops, Feldtagen und Bürgerexkursionen, das Erstellen eines Beweidungsleitfadens und einfachen Bestimmungshilfen für typische Wildkräuter auf Weideflächen auch moderne Medien (Online-Beratungstool mit Web-Tutorials/Lehrvideos, eine Smartphone-App) genutzt werden. Projektrelevante Informationen sollen auch über soziale Medien wie Instagram oder Twitter verteilt werden.

    In Zusammenarbeit mit den Projektpartnern soll im Rahmen dieses Arbeitspaketes ein Auswahlverfahren etabliert werden, um Landwirtinnen und Landwirte für ihre Leistungen zur Gestaltung einer arten- und strukturreichen Weidelandschaft zu honorieren und mit einer Plakette WeideVielfalt auszuzeichnen. Damit sollen unter anderem auch regionale Wertschöpfungsketten (v. a. Vermarktung von Produkten aus der Landschaftspflege) unterstützt werden. Das Projektkonsortium bietet auch an, sich aufbauend auf den Projekterfahrungen in die Gestaltung der Maßnahmen für die nächste Förderperiode (Weiterentwicklung Vertragsnaturschutz und Landesprogramme) in Sachsen-Anhalt beratend einzubringen. Damit sollen zusätzliche Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte zur Verbesserung der Arten- und Strukturvielfalt zukünftig besser honoriert werden, um somit einem weiteren Rückgang der biodiversitätserhaltenden Beweidungen, insbesondere auf nutzungsabhängigen Grenzertragsstandorten, entgegenzuwirken.

    Arbeitspaket 5: Übertragung der Ergebnisse in Sachsen-Anhalt (Schwerpunkt 2026–2028)

    Aufbauend auf den im Projekt entwickelten Angeboten werden weitere Landwirtinnen und Landwirte in Sachsen-Anhalt beraten und zur Umsetzung von Maßnahmen auf ihren Flächen motiviert. Durch die sehr guten Kontakte aller Projektpartner zu regionalen Landwirtinnen und Landwirten sollen bereits ab 2024 erste Beratungen erfolgen, schwerpunktmäßig werden jedoch erst in der zweiten Projekthälfte auf den Demonstrationsflächen erfolgreich umgesetzte Maßnahmen auf weitere Weideflächen übertragen.

    Arbeitspaket 6: Evaluation der Projektergebnisse (prozessbegleitende Evaluierung über die gesamte Projektzeit)

    Indikatoren sind unter anderem die Struktur- und Pflanzenartenvielfalt sowie das Blütenangebot und das Vorkommen von Wildbienen und Tagfaltern. Die Ergebnisse der prozessbegleitenden Evaluierung sollen für eine fortlaufende Anpassung und Optimierung des Grünlandmanagements und für die Öffentlichkeitsarbeit über die gesamte Projektlaufzeit hinweg genutzt werden.