Nachhaltige Entwicklung und naturschutzgerechte Managementoptimierung des FFH-Lebensraumtyps 6510 sowie von Populationen der Verantwortungsart Dactylorhiza majalis (Breitblättriges Knabenkraut) in Sachsen-Anhalt

  • Projektziele

    Projektziele

    Das Vorhaben soll einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung sämtlicher naturschutzfachlicher Planungen im Bereich des Wirtschaftsgrünlandes liefern. Bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse sollen vertieft und Wissenslücken geschlossen werden. Die Ergebnisse des Vorhabens werden somit für den LRT 6510 sowie für ausgewählte Aspekte auch für Feucht- und Nasswiesen zu einer auf wissenschaftlicher Grundlage basierenden, zielgerichteten landesweit anwendbaren Maßnahmenableitung für Verordnungen und Managementpläne sowie Pflege- und Entwicklungspläne führen. Außerdem sollen die Ergebnisse des Projektes eine zukünftige Weiterentwicklung der Förderrichtlinien (RL Natura 2000-Ausgleich für die Landwirtschaft, RL Freiwillige Naturschutzleistungen, Naturschutz-RL) des Landes Sachsen-Anhalt ermöglichen.

    Weiterhin soll das Projekt dazu dienen, Flächennutzern zu verdeutlichen, mit welchen Einschränkungen sie bei Maßnahmen, die der Wiederherstellung bzw. dem Erhalt eines günstigen Erhaltungszustandes dienen, zu rechnen haben und bis zu welchem Grad Restriktionen ökonomisch tragbar sind. Damit liefern die Ergebnisse des Projektes wichtige Argumentationshilfen bei der Umsetzung der Natura 2000-Richtlinie in Sachsen-Anhalt.

    Darüber hinaus nehmen die praktischen Maßnahmen des Projekts direkt positiven Einfluss auf die Verantwortungsart Dactylorhiza majalis und weisen einen starken Mitnahmeeffekt für weitere betroffene gefährdete und schützenswerte Arten sowie gesetzlich geschützte Biotope auf.
     

    Folgende Arbeitsschwerpunkte sind Bestandteil des aktuellen Projekts:

    • Untersuchung minimalinvasiver Ansaattechniken für Zielarten zur erfolgreichen Entwicklung des LRT 6510
    • Untersuchung des Einflusses von Managementfaktoren auf den Erhaltungszustand von Grünlandgesellschaften des LRT 6510 (submontane Frischwiese im Südharz)
    • Revitalisierung von Feucht- und Nasswiesen mit aktuellen oder historischen Vorkommen der Verantwortungsart Dactylorhiza majalis (Breitblättriges Knabenkraut)
    • Einfluss von Managementfaktoren auf die Bestandsentwicklung und Wiederansiedlung von Dactylorhiza majalis (Breitblättriges Knabenkraut)
    • Aktualisierung des Grünlandleitfadens, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenstransfer
  • Bewirtschaftungsversuch Hayn (Submontane Frischwiese – LRT 6510)

    Bewirtschaftungsversuch Hayn (Submontane Frischwiese – LRT 6510)

    Im Rahmen des Bewirtschaftungsversuchs in der Versuchsstation Hayn der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau werden die Auswirkungen des Einflusses unterschiedlicher Managementfaktoren auf den Erhaltungszustand der Grünlandgesellschaften des LRT 6510 (Magere Flachland-Mähwiese) in submontaner Höhenlage untersucht.

    Flächencharakteristik:

    Höhe: ca. 440 m NN                       
    Jahresniederschlag: 600 mm          
    Jahrestemperatur: 6,5 ˚C                

    Es handelt sich um die Fortführung eines Bewirtschaftungsversuchs des Projekts „Naturschutzgerechte und nachhaltige Grünlandbewirtschaftung in Sachsen-Anhalt zur Förderung der Lebensraumtypen 6210(*), 6440 und 6510 sowie der Verantwortungsart Dactylorhiza majalis (NaturGrüST)“.

    2017 wurde auf einem flachgründigem Standort eine dem LRT 6510 entsprechende gebietsheimische Wildpflanzenmischung in submontaner, mesotropher Ausprägung angesät. Nach einjähriger Entwicklungspflege wurde 2018 ein Bewirtschaftungsversuch eingerichtet, der praxisrelevante Kombinationen auf einem produktiven Grünlandstandort mit Nutzungsinteresse (unter Berücksichtigung der Grünlandprämie, naturschutzfachlicher Förderung durch AUM und praxisüblicher Nutzung) untersucht.

    Bei unterschiedlich hohen Düngergaben (N, P, K) werden folgende Nutzungsvarianten erprobt:

    • Einschürige Mahd                                       
    • Zweischürige Mahd                                     
    • Dreischürige Mahd                                     
    • Mulchen im Sommer
    • Mulchen im Herbst
    • Zweimaliges Mulchen
       

    Die Auswirkungen unterschiedlicher Nutzungs- und Düngeintensitäten auf Artenspektrum, Vegetationsstruktur, Ertrag und Futterqualität sowie Zielartenetablierung werden wissenschaftlich analysiert. Hierzu werden u.a. Vegetationsaufnahmen angefertigt, Ertragsanteile geschätzt und Futteranalysen durchgeführt.

    Die Untersuchungen dienen der Ableitung von Empfehlungen zur Optimierung des Mahdzeitpunkts und der Düngung für Pflanzenbestände des LRT 6510 bei gleichzeitiger Erhaltung des   lebensraumtypischen Arteninventars und unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Interessen.

  • Störungs- und Ansaatversuch Iden (Flachlandmähwiese – LRT 6510)

    Störungs- und Ansaatversuch Iden (Flachlandmähwiese – LRT 6510)

    Im Rahmen der Störungs- und Ansaatversuche am Standort Iden der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau werden (1) minimalinvasive Ansaattechniken zur ökologischen Aufwertung artenarmer Weidelgrasbestände untersucht und (2) verschiedene Ansaattermine getestet.

    Da die Einbringung von Diasporen mittels Pflugumbruch einen erheblichen Eingriff in das Bodengefüge darstellt, werden auf der Fläche „Gehrhof“ alternative Techniken einer umbruchlosen Grünlandaufwertung, mit dem Ziel der Entwicklung des LRT 6510, erprobt.  Die Untersuchungen sollen der Schaffung einer soliden Datengrundlage sowie der Ableitung von Empfehlungen zur erfolgreichen Entwicklung des LRT 6510 aus artenarmen Weidelgrasbeständen dienen. 

    Flächencharakteristik: 

    Höhe: ca. 25 m NN
    Jahresniederschlag: 541 mm
    Jahrestemperatur: 8,9 °C

    Folgende Störungs- und Ansaatvarianten werden auf der Fläche „Gehrhof“ erprobt:

    • Schlitzen + Saat                             
    • Fräsrillen + Saat                             
    • Fräsen + Saat
    • Kontrolle + Saat
    • Kontrolle
       

    Die Etablierung der Zielarten und die Auswirkungen verschiedener Störungsintensitäten bei der Ansaat auf die Entwicklung der Vegetation und des Bodennährstoffhaushaltes werden wissenschaftlich untersucht. Hierzu werden zweimal jährlich vor jeder Nutzung Vegetationsaufnahmen angefertigt, Ertragsanteile geschätzt, Futteranalysen durchgeführt und Bodenproben entnommen.

    Im September 2020 wurde auf der zweischürig gemähten Fläche „Gehrhof“ eine artenreiche Mischung gebietsheimischen Saatguts entsprechend der unterschiedlichen Störungs- und Ansaatvarianten ausgebracht und mit einer Cambridge-Walze angewalzt.

    Ansaatvarianten Schlitzen, Fräsrillen sowie Fräsen (v.l.n.r.) (Fotos: S. Dullau)

    Auf der beweideten Fläche „Beverlake“ wird der Etablierungserfolg einer Spätsaat (Einsaat im September 2020) mit dem Etablierungserfolg einer Frühsaat (Einsaat im März/April 2021) verglichen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen folgen analog der Vorgehensweise auf dem Versuch „Gehrhof“.

    Bereits wenige Wochen nach der Einsaat konnten die Keimlinge einer Reihe von Zielarten auf den Parzellen der Versuchsflächen festgestellt werden.

    Keimlinge der Zielarten v.l.n.r.: Centaurea jacea & Knautia arvensis (Foto: S. Dullau), Achillea millefolium, Vicia cracca, Trifolium pratense (Fotos: P. Scholz)

  • Wiederansiedlung, Management und Revitalisierung von Vorkommen der Verantwortungsart Dactylorhiza majalis

    Wiederansiedlung, Management und Revitalisierung von Vorkommen der Verantwortungsart Dactylorhiza majalis

    Bereits im Projekt NaturGrüST waren die kleinflächigen Feucht- und Nasswiesen des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz mit ihren rezenten und erloschenen Vorkommen der Orchideenart Dactylorhiza majalis (Breitblättriges Knabenkraut) Untersuchungsgegenstand.

    Zur Weiterentwicklung von Empfehlungen für eine naturschutzgerechte Nutzung von Feucht- und Nasswiesen mit Vorkommen von Dactylorhiza majalis, sowie von Empfehlungen zur Wiederansiedlung und Populationsstärkung der Art, werden die seit 2017 bestehenden Versuche „Struthwiese“ (Bewirtschaftungsversuch) und „Rote Wiese“ (Wiederansiedlungsversuch) fortgeführt.

    Bisher gewonnenes Wissen zum Keimverhalten von Dactylorhiza majalis wird durch einen experimentellen Keimversuch erweitert. Weiterhin werden Maßnahmen zur Wiederansiedlung von Dactylorhiza majalis auf drei ausgewählten Nasswiesen durchgeführt bzw. individuenschwache Vorkommen gestärkt. Ziel ist die Verbesserung des Erhaltungszustands der Verantwortungsart im Biosphärenreservat und die Schaffung von Voraussetzungen der Bewirtschaftbarkeit nutzungsabhängiger Feucht- und Nasswiesen.

    Blühaspekt von Dactylorhiza majalis auf der Struthwiese im Mai 2016 (Foto links: A. Adert, Foto rechts: S. Dullau).

    • Dactylorhiza majalis – Experimenteller Bewirtschaftungsversuch „Struthwiese“

      Dactylorhiza majalis – Experimenteller Bewirtschaftungsversuch „Struthwiese“

      Flächencharakteristik:

      Höhe: ca. 422 m NN                                  
      Jahresniederschlag: 500-700 mm            
      Jahrestemperatur: 7-7,8 ˚C 

      Seit 2017 wird im östlichen Teil des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz nahe Wettelrode die Auswirkung fünf unterschiedlicher Bewirtschaftungsvarianten auf die Orchideenart Dactylorhiza majalis erprobt.

      Der vollrandomisierte Parzellenversuch umfasst folgende Bewirtschaftungsvarianten unterschiedlicher Art, Intensität und Zeitpunkte:

      • Einjähriger Nutzungsverzicht
      • Mulchen
      • Einschürig (Frühmahd vor der Blüte)
      • Einschürig (Sommermahd zur Samenreife)
      • Zweischürig (Frühmahd + Spätmahd)
         

      Die Erfolgskontrolle erfolgt jährlich über die Anfertigung von Vegetationsaufnahmen. Weiterhin werden Individuen von Dactylorhiza majalis gezählt und populationsbiologische Merkmale erfasst.

      Begleitend zum Bewirtschaftungsversuch wurde ein Keimversuch angelegt, um die Keimrate von Dactylorhiza majalis zu ermitteln und Rückschlüsse auf die Bedeutung von Witterungseinflüssen ziehen zu können. Hierzu wurden im Juli 2020 Diarahmen, bestückt mit Samen aus der lokalen Population, in die oberste Bodenschicht eingesetzt. Für die regelmäßig stattfindenden Keimkontrollen werden einzelne Diarahmen entnommen und mikroskopisch untersucht.

    • Dactylorhiza majalis – Experimenteller Wiederansiedlungsversuch „Rote Wiese“

      Dactylorhiza majalis – Experimenteller Wiederansiedlungsversuch „Rote Wiese“

      Flächencharakteristik:

      Höhe: ca. 379 m NN
      Jahresniederschlag: 500-700 mm
      Jahrestemperatur: 7-7,9 ˚C                       

      Auf einer zweiten Versuchsfläche im östlichen Teil des Biosphärenreservats („Rote Wiese“) wurde 2017 ein Versuch zur aktiven Wiederansiedlung von Dactylorhiza majalis angelegt. Hier soll überprüft werden, unter welchen Bedingungen sich Dactylorhiza majalis durch Ansaat erfolgreich etablieren lässt. Die Versuchsfläche unterliegt dabei der bisher praktizierten Flächenbewirtschaftung (einschürige Mahd im Juli mit Beräumung des Mahdguts). Da Dactylorhiza majalis auf der Fläche mit einigen wenigen Individuen vorkommt, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass sich der Standort für die Art eignet.

      Der Wiederansiedlungsversuch umfasst sechs verschiedene Störungs- und Ansaatvarianten:

      • Plaggen flach
      • Plaggen flach + Ansaat
      • Plaggen tief
      • Plaggen tief + Ansaat
      • Ohne Plaggen
      • Ohne Plaggen + Ansaat
         

      Die Erfolgskontrolle erfolgt seit 2018 jährlich über Vegetationsaufnahmen. In regelmäßigen Abständen werden Keimlinge von Dactylorhiza majalis gesucht und die Etablierung sowie die weitere Entwicklung dokumentiert.

      Eingezäunte Versuchsfläche "Rote Wiese" im Frühjarhr 2020 (links) mit blühendem Individuum von Dactylorhiza majalis (rechts) (Fotos: N. Adert).

    • Dactylorhiza majalis – Erfolgskontrolle auf 10 im Jahr 2018 angesäten Flächen

      Dactylorhiza majalis – Erfolgskontrolle auf 10 im Jahr 2018 angesäten Flächen

      Im Spätsommer 2018 wurden im Rahmen des NaturGrüST-Projekts auf 10 Feucht- und Nasswiesen im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz Dactylorhiza majalis-Samen mit dem Ziel der Wiederansiedlung und Populationsstärkung ausgebracht. Als alternative Störungsvariante zum deutlich invasiveren Plaggen (Bewirtschaftungsversuchs „Struthwiese“), wird ein Wenden der obersten Bodenschicht vor Aussaat erprobt. 

       

    • Dactylorhiza majalis – Maßnahmenumsetzung (Wiederansiedlung/Populationsstärkung auf 3 Nasswiesen)

      Dactylorhiza majalis – Maßnahmenumsetzung (Wiederansiedlung/Populationsstärkung auf 3 Nasswiesen)

      Auf drei Wiesen des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz soll Dactylorhiza majalis wiederangesiedelt bzw. individuenschwache Vorkommen gestärkt werden. Bei den Wiesen handelt es sich häufig um ungenutzte oder gemulchte Wiesen, die durch eine hochwüchsige Vegetation und dichten Streuauflagen gekennzeichnet sind. Neben der unmittelbaren Verbesserung des Erhaltungszustands der Verantwortungsart werden daher Maßnahmen zur Förderung und Wiederansiedlung von Dactylorhiza majalis durchgeführt sowie die Initiierung einer Nutzungsaufnahme oder -änderung organisiert.

      Die erste Maßnahmenumsetzung konnte im Juli 2020 stattfinden. Um eine langfristige Bewirtschaftbarkeit sicherstellen und geeignete Habitatbedingungen für die Zielart schaffen, wurden Gehölze entfernt, Aufwuchs gemäht, Streuauflagen entfernt sowie von der Fläche abtransportiert.

       

      Feuchtwiese vor, während und nach Maßnahmen zur Förderung und Wiederansiedlung von Dactylorhiza majalis im Juli 2020 (Fotos: N. Adert).

      Für die Ansaat von Dactylorhiza majalis wurden Samen einer nahegelegenen individuenreichen Population geerntet und im August 2020 in kleine geschaffene Störstellen der vorbereiteten Feuchtwiese eingebracht. In regelmäßigen Abständen werden Keimlinge gesucht und die Etablierung sowie die weitere Entwicklung dokumentiert.

  • Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit

    Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit

    Für Informationen zu anstehenden Veranstaltungen des Projekts besuchen Sie bitte unsere Ankündigungen.

    Empfehlungen für eine naturschutzgerechte Nutzung von Feucht- und Nasswiesen mit Vorkommen von Dactylorhiza majalis sowie zur Wiederansiedlung und Populationsstärkung der Art sind im Leitfaden zu Dactylorhiza majalis verfügbar.

    Managementempfehlungen für die FFH-Lebensraumtypen 6440 (Brenndolden-Auenwiesen), 6510 (Magere Flachland-Mähwiesen) sowie 6520 (Berg-Mähwiesen) finden sie im Grünlandleitfaden.

    Aktuelle Einblicke in die Arbeit des Projekts sind auch auf dem Kanal von Offenlandinfo bei Instagram möglich.

    • Feldtag Iden

      Feldtag Iden

      Bei einer Versuchsfeldführung im Juli 2021 wurde Interessierten die Gelegenheit zur Besichtigung des Störungs- und Einsaatversuchs am Standort Iden (Altmark) gegeben. Gemeinsam wurde die Vegetationsentwicklung sowie der bisherige Etablierungserfolg der Einsaatarten für die verschiedenen Störungs- und Einsaatvarianten in Augenschein genommen und diskutiert.

      Für alle Interessierten steht ein Versuchsfeldführer zum Download bereit, der über die Inhalte der Führung sowie über erste Ergebnisse des Versuchs informiert.

       

       

  • Projektarchiv

    Projektarchiv

    Informationen zur nachhaltigen Entwicklung & naturschutzgerechten Managementoptimierung des FFH-Lebensraumtyps 6510 sowie von Populationen der Verantwortungsart Dactylorhiza majalis (Breitblättriges Knabenkraut) in Sachsen-Anhalt aus dem Vorgängerprojekt finden Sie hier.