Verantwortungsart Astragalus exscapus und ihre Lebensräume in Sachsen-Anhalt: Gefährdungsanalyse und Förderkonzepte

  • Motivation

    Motivation

    Steppenrasen sind Hotspots der Biodiversität, die kleinflächig auf Extremstandorten, insbesondere auf steilen, süd- bis westexponierten Hängen vorkommen. Sie weisen eine hohe Zahl von attraktiven Pflanzenarten auf, die optimal an sommertrockene Standorte angepasst sind. In Deutschland sind Steppenrasen jedoch nur noch auf weniger als 1.000 Hektar erhalten. Vorkommende Rest- und Splitterflächen sind aktuell stark durch Landnutzungsänderungen gefährdet. Um diese Lebensräume und ihre Arten zu sichern, sind Studien zur Gefährdung sowie Entwicklungsszenarien und schließlich effektive Förderkonzepte notwendig. Dies betrifft insbesondere Arten, für die Deutschland international eine besondere Verantwortung hat, wie den Stängellosen Tragant (Astragalus exscapus). 

    Der Stängellose Tragant ist innerhalb Deutschlands auf Reliktstandorte im Mitteldeutschen Trockengebiet beschränkt. Mit Vorkommen insbesondere im Bereich der Mansfelder Seen, dem Saaletal nordwestlich von Halle und im Unstrut-Tal hat die Art ihren eindeutigen Verbreitungsschwerpunkt in Sachsen-Anhalt. Rund 40% aller jemals im Mitteldeutschen Trockengebiet bekannten Populationen gelten jedoch als bereits erloschen. Es besteht dringender Handlungsbedarf. 

    Aufgrund der geringen Ausbreitungskraft der Art in Verbindung mit der zunehmenden Gefährdung ihrer Lebensräume durch Landnutzungsänderungen ist nicht davon auszugehen, dass ausgehend von den aktuellen Vorkommen eine Wiederansiedlung auf ehemaligen bzw. Neubegründung von Populationen auf geeigneten Standorten erfolgen wird. Oberste Priorität für die langfristige Sicherung der Art haben demnach die Überwachung und Förderung der aktuell noch vorkommenden Populationen und ihrer Lebensräume vor Ort.

  • Zielstellungen

    Zielstellungen

    Ziel des Projektes ist die Erarbeitung von wesentlichen Grundlagen für eine nachhaltige Verbesserung der Bestandssituation von A. exscapus und ihrer Lebensräume in Sachsen-Anhalt. Im Projekt werden durch a) standort- und populationsökologische Untersuchungen zu den aktuellen Vorkommen, b) die Recherche und flächenkonkrete Evaluierung der Wirksamkeit von aktuellen Fördermaßnahmen und -instrumenten sowie c) deren Optimierung und Konzeption weiterer Maßnahmen wesentliche Bausteine für ein landesweites Konzept zur langfristige Sicherung der Art und ihrer Lebensräume in Sachsen-Anhalt erarbeitet.

  • Methodisches Vorgehen

    Methodisches Vorgehen

    Im Rahmen der Laufzeit von Mai 2014 bis Dezember 2015 ist die Projektdurchführung inhaltlich in die folgenden vier Schritte gegliedert.

    1. Zusammenführung vorliegender Daten zu den in Sachsen-Anhalt vorkommenden Standorten und Populationen von A. exscapussowie zu bisher auf den Flächen durchgeführten Nutzungs- und Fördermaßnahmen. 

    2. Überprüfung und Erfassung des aktuellen Flächenzustandes und der Bestandssituation durch Geländebegehungen.

    3. Auf Grundlage der Daten wird eine Prioritätenliste erarbeitet, welche einerseits die Dringlichkeit von Maßnahmen (z.B. aufgrund der aktuellen Gefährdung der Populationen) berücksichtigt und andererseits die Erfolgs-aussichten (Standorteignung, aktuelle und potenzielle Einbindung in aktuelle und zukünftige Pflege- und Nutzungskonzepte) widerspiegelt.

    4. Für ausgewählte Flächen werden konkrete Maßnahmen konzipiert und erste Maßnahmen exemplarisch umgesetzt.

  • Erste Ergebnisse

    Erste Ergebnisse

    Im Projekt werden alle 56 bisher bekannten Astragalus exscapus-Vorkommen in Sachsen-Anhalt bearbeitet. 31 der Vorkommen konnten im Jahr 2014 aufgesucht und untersucht werden (u.a. Untersuchungen zur Populationsgröße sowie zur Vegetationsstruktur und -zusammensetzung). Die bislang untersuchten Vorkommen spiegeln die sehr unterschiedliche Ausprägung der A. exscapus-Standorte wider. Vielfach repräsentieren die Wuchsorte von A. exscapus die am besten erhaltenen Teilbereiche der Trockenrasenkomplexe innerhalb von ansonsten stärker degradierten Auflassungsstadien. Die bisherigen Ergebnisse zeigen aber auch, dass ein Teil der Flächen mit Vorkommen der Art aufgrund einer ungenügenden Pflege/Nutzung bereits stärker ruderalisiert und/oder verbuscht ist. Es wurde festgestellt, dass Flächen mit schlechtem Erhaltungszustand ausschließlich kleinere Vorkommen aufweisen, die Populationen mit weniger als 30 Individuen umfassen. Änderungen der Populationsgrößen im Vergleich zu früheren Erfassungen decken sich ebenfalls in der Regel immer mit dem Flächenzustand der Trockenrasen. Flächen mit einer Abnahme der Individuenzahl weisen häufig starke Defizite auf, die sich in einer Vielzahl nutzungsbedingter Gefährdungsfaktoren begründen. Insgesamt haben die bisherigen Untersuchungen gezeigt, dass insbesondere fehlende oder unzureichende Beweidung durch die Herausbildung dichtrasiger Brachestadien eine Gefährdung für Astragalus exscapus darstellt.

    Durch die zunehmende Gefährdung der Astragalus exscapus-Lebensräume aufgrund der Landnutzungsänderungen ist vielfach ein hoher Handlungsbedarf hinsichtlich der Entwicklung und Umsetzung von Pflege- und Nutzungskonzepten vorhanden. Rund 30 Prozent der bisher untersuchten Vorkommen werden aufgrund der Wuchsortsituation als hoch gefährdet eingestuft. Hier sind Maßnahmen wie die Entnahme von Gehölzen im Bereich der Wuchsorte als ersteinrichtende Maßnahme mit einer anschließenden an die Standortssituation angepassten Beweidung erforderlich.

  • Wie geht es weiter?

    Wie geht es weiter?

    Nach der Erarbeitung der wesentlichen Grundlagen für eine nachhaltige Verbesserung der Bestandssituation von Astragalus exscapusin Sachsen-Anhalt sollte eine landesweite Maßnahmenkonzeption und gezielte Maßnahmenumsetzungen unter Einbeziehung wichtiger regionaler Akteure erfolgen. Darüber hinaus sollten weitere Optionen, welche über den Erhalt der aktuell noch vorkommenden Populationen hinausgehen, diskutiert werden. Dies beinhaltet konkrete Konzeptionen z.B. von Maßnahmen zur Populationsstärkung, zur Wiederansiedlung sowie Neuansiedlungsversuche der Art innerhalb des Verbreitungsgebietes. Ein erster weiterer Schritt diesbezüglich wäre die Gewinnung von Basissaatgut aus den Restpopulationen für den Aufbau einer Zwischenvermehrung.