Anlage und Pflege mehrjähriger Blühstreifen und Blühflächen mit gebietseigenen Wildkräutern

  • Hintergrund & Projektziel

    Hintergrund & Projektziel

    Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahrhunderten vielgestaltige und vielerorts sehr artenreiche Kulturlandschaften geschaffen. Durch eine immer intensivere sowie großflächigere landwirtschaftliche Nutzung ist diese Vielfalt heute jedoch gefährdet. Auch in Sachsen-Anhalt wurde in den letzten Jahrzehnten ein stetiger Rückgang bei vielen Pflanzen- und Tierarten festgestellt.

    Um eine positive Entwicklung der Biodiversität zu unterstützen, werden in den Bundesländern im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM)  angeboten. In Sachsen-Anhalt wird 2014-2020 z. B. die Anlage von mehrjährigen Blühstreifen mit gebietseigenen Arten gefördert.

    In der letzten Förderperiode erfolgte die Anlage von mehrjährige Blühstreifen vorwiegend mit konventionellen Mischungen aus kurzlebigen und wenigen ausdauernden Kulturarten, die sich ab dem 2. Standjahr meist zu blütenarmen, von Gräsern oder Ruderalarten dominierten Vegetationsbeständen entwickelten.

    In einem Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Anhalt und der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt wurde deshalb 2010 ein Versuch mit verschiedenen Mischungen aus gebietseigenen Arten angelegt Das Ziel war, artenreiche Mischungen für lange und intensiv blühende Bestände mit einem hohen ökologischen Wert zu entwickeln, die mind. fünf Jahre Bestand haben. Zudem sollte die Pflege im Rahmen der Förderrichtlinie möglich und auch durch die Landwirte praktikabel umsetzbar sein.

  • Methoden

    Methoden

    Auf einer Ackerfläche in Bernburg-Strenzfeld, Kohlenstraße wurde ein 168 m x 10 m großer Blockversuch mit 7 Varianten und 4 Wieder­holungen angelegt: 3 Wildkräutermischungen (25-32 Arten; H1-3), 3 Wildkäutermischungen mit Kulturarten (22-36 Arten; F1-3) und 1 konventionelle Kulturartenmischung (9 Arten, FK). Nach einer sorgfältigen Saatbett­vorbereitung wurden 3 Varianten im September 2010 (H1-3) und 4 Varianten im April 2011 (F1-3, FK) angesät. Aufgrund der geringen Mengen von 0,7 - 2,0 g/m² wurde das Wildpflanzensaatgut mit einem Füllstoff (Sojaschrot) auf 10 g/m² gestreckt. Die Ansaat erfolgte mit einer Drillmaschine mit hochgeklappten Säscharen, um das Saatgut nur oberflächlich abzulegen, da viele der Wildpflanzen Lichtkeimer sind. Anschließend wurde die Fläche angewalzt.

  • Vegetationsentwicklung 2011-2014

    Vegetationsentwicklung 2011-2014

    Im ersten Entwicklungsjahr erreichten spontan aus dem Boden oder der Umgebung eingewanderte Arten auf allen Varianten relativ hohe Anteile an der Gesamtartenzahl und der Gesamtdeckung. Während auf allen wildkräuterreichen Varianten ab dem zweiten Jahr die Deckung der Spontanarten stark abnahm, blieb deren Deckung auf der konventionellen Variante in allen Jahren bei über 50 %. Durch den Ausfall der Kulturarten sowie der einjährigen (z. B. Klatsch-Mohn, Acker-Rittersporn) und einiger zweijähriger (z. B. Färber-Wau, Königskerzen) Wildkräuter, nahm die Anzahl der Ansaatarten auf den Flächen im Laufe der Zeit ab. Von den mehrjährigen Wildkräutern waren im Sommer 2014 immer noch 87-100 % auf den wildkrautreichen Varianten vorhanden. Ab dem 2. Jahr erreichten die Ansaatarten auf allen wildkräuterreichen Varianten einen Deckungsanteil von über 90 %.

    Das Blütenangebot entwickelte sich auf den wildkräuterreichen Varianten ebenfalls sehr positiv. Im ersten Untersuchungsjahr kamen zwischen 9 und 22 Ansaatarten zur Blüte; dies entspricht etwa 50 - 90 % der aufgelaufenen Ansaatarten. In den Folgejahren stieg dieser Anteil auf über 90 %, wodurch, je nach Variante, zwischen 23 und 34 blühende Wildkräuter auf den Flächen vorhanden waren. Bei der konventionellen Ansaatvariante konnten sich im 1. Jahr nur drei der angesäten Arten etablieren, die zwar alle zur Blüte gelangten, aber nur sehr geringe Deckungen von max. 5 % erreichten. Im vierten Standjahr war nur noch eine blühende Art (Rot-Klee) aus der Ansaatmischung mit einer mittleren Deckung von 1 % vorhanden; die Vegetation der konventionellen Variante wurde ab dem 2. Jahr von Gräsern (Wiesenschweidel, Rotes Straußgras) dominiert.

  • Pflege

    Pflege

     

     

    Auf vielen Ackerstandorten kommt es nach der Ansaat zu der Entwicklung von zum Teil relativ dichten Beständen unerwünschter Ruderalarten. Je nach Region, Bodenwertzahlen und Feuchtestufe kann die Entwicklung sehr unterschiedlich verlaufen. Treten Arten wie z. B. Gänsefuß, Amarant, Geruchlose Kamille, Kanadisches Berufkraut in dichten Beständen auf, wirkt sich der Konkurrenzdruck negativ auf die Entwicklung der angesäten Kräuter aus. Im Entwicklungsjahr ist es deshalb dringend erforderlich, rechtzeitig, d.h. im Knospenstadium der unerwünschten Ruderalarten (meist bereits im Mai), einen mind. 10-20 cm hohen Mulchschnitt durchzuführen, bei dem die Jungpflanzen der Ansaatarten nicht geschädigt werden. Auf wüchsigen Standorten kann ein zweiter (Juni/Juli) Pflegeschnitt erforderlich sein. 

    Im Zuge der Entwicklungspflege erfolgte auf der Blockanlage Kohlenstraße im Mai 2011 sowie zwischen Juni und Juli 2011 ein Mulchschnitt in ca. 15 cm Höhe. Die Biomasse verblieb auf der Fläche. Ab 2012 wurden der Blockversuch im Rahmen der Erhaltungspflege einmal ca. Mitte März und einmal zwischen Juni und Juli (jeweils hälftig, in 6-8 wöchigem Abstand) gemulcht.

    Blühstreifen sollten abschnittsweise gemäht /gemulcht werden (Anfang/Mitte Juni und Mitte/Ende Juli), mit einem Abstand von 6-8 Wochen zwischen den beiden Schnittterminen. Das Mahdgut kann auf der Fläche verbleiben. Dies gewährleistet in der ganzen Vegetations­periode eine durchgehende Verfügbarkeit von Pollen- und Nektarquellen und bietet z. B. Hasen und Rebhühnern optimale Rückzugsräume.

  • Vom Versuch in die Praxis

    Vom Versuch in die Praxis

    Basierend auf den Ergebnissen und Erfahrungen der Blockversuche sowie weiterer Praxisanlagen wurden in Sachsen-Anhalt für die neuen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen fünf Mischungen für die Anlage mehrjähriger Blühstreifen erarbeitet. Die Mischungen bestehen ausschließlich aus gebietseigenen, Wildkräutern aus zertifizierten Herkünften. Es wird auf Kulturarten verzichtet, da im mitteldeutschen Trockengebiet Herbstansaaten zu empfehlen sind. Auch durch die im ersten Jahr notwendigen Pflegemaßnahmen zur Unterdrückung der Ackerunkräuter ist es besser, auf einjährige Kulturarten zu verzichten, da diese meist nicht schnittverträglich sind und bei deren Vorhandensein ein notwendiger Pflegeschnitt häufig zu lange hinaus gezögert wird.

  • Praktische Hinweise für die Anlage von Blühstreifen

    Praktische Hinweise für die Anlage von Blühstreifen

    Für die erfolgreiche Anlage und Pflege von mehrjährigen Blühstreifen wurden Praxishinweise erarbeitet, die sowohl Landwirte als auch andere Anwender oder Institutionen auf dem Weg zu artenreichen und viele Jahre bunt blühenden Blühstreifen und -flächen unterstützen sollen.

    Geeignete Standorte

    Optimal ist die freie Feldflur sowie die Südseite von Hecken, Baumreihen oder Waldrändern. Beschattete und dauerhaft nasse Standorte sind ungeeignet. Die ausgewählten Flächen sollen frei von mehrjährigen Problemarten (z. B. Ackerkratzdistel oder Quecke) und Neophyten sein.

    Zeitpunkt der Anlage 

    Herbstaussaat von August bis Mitte September (v.a. in Regionen mit Frühjahrstrockenheit); Frühjahrs­ansaat bis Mitte April.

    Saatgutmischung und Ansaatstärke 

    In Sachsen-Anhalt gibt es im Rahmen der Agrarumweltmaßnahme "Mehrjährige Blühstreifen und -flächen" fünf Mischungen aus 27-30 Wildkräutern zertifizierter Herkunft: (1) Löß-Lehm, frisch, (2) Löß-Lehm, trocken, (3) Sand, frisch, (4) Sand, trocken, (5) feuchte Standorte. Die reine Saatgutmenge liegt bei 0,4-0,5 g/m². 

    Saatbettvorbereitung und Ansaat 

    Wichtig ist eine sorgfältige Saatbettbereitung. Die Ansaatmischung sollte mit einem Füllstoff auf 10 g/m² (z.B. Sojaschrot, gequetschter Mais) gestreckt werden, um eine Entmischung zu Vermeiden. Die Ansaat kann mit Drillmaschinen mit hochgeklappter Säschar erfolgen. Wichtig: die Samen dürfen nur oberflächig abgelegt werden (Lichtkeimer!). Für einen optimalen Bodenschluss sollte nach der Ansaat gewalzt werden. 

    Entwicklungspflege (im 1. Jahr)

    Bei starkem Unkrautdruck müssen die Flächen im Mai und ggf. im Juni/Juli mind. 10-15 cm hoch gemäht oder gemulcht werden, solange sich die Unkrautarten noch im Knospenstadium befinden. Die Biomasse kann auf der Fläche verbleiben. 

    Folgepflege (ab dem 2. Jahr) 

    Um das gesamte Jahr blühende Bestände zu gewährleisten, müssen die Flächen abschnittsweise (z. B. hälftig) in ca. 15-20 cm Höhe (zwischen Ende Mai und Ende Juli) gemäht/gemulcht werden. Auf produktiven Standorten kann ein weiterer Pflege­schnitt im ausgehenden Winter (März) notwendig sein. Die Biomasse kann auf der Fläche verbleiben.

 

 

 

Projektleitung: Prof. Dr. habil. Sabine Tischew (Hochschule Anhalt), Dr. Matthias Schrödter (LLFG, Bernburg)

Projektbearbeitung: Dipl.-Ing. Sandra Mann, Dr. Anita Kirmer

Gefördert durch: ELER Sachsen-Anhalt