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Naturnahe Begrünung - Neuanlage und Aufwertung von Offenländern

Naturnahe Begrünungsmethoden werden bereits seit vielen Jahren auf unterschiedlichsten Standorten erfolgreich umgesetzt (Beispiele in Kirmer & Tischew 2006). Die Auswahl der geeigneten Methode hängt von der Zielstellung (z. B. Erosionssicherung, Entwicklung naturnaher und pflegeextensiver Bestände, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen) und den gegebenen Standortbedingungen ab. Generell sollte die Methode gewählt werden, mit der die gewünschte Zielgesellschaft mit möglichst geringem Aufwand entwickelt werden kann. Auch Verfügbarkeit, Praktikabilität, Kosten, eventuelle Folgenutzungen und ein möglicher Nachsorgeaufwand (Pflege) sind zu berücksichtigen. Grundsätzlich sind dabei gebietseigene Herkünfte zu verwenden. Aufgrund der spezifischen Anpassungen der Arten an die jeweiligen Standortverhältnisse muss eine Spenderfläche mit vergleichbaren Biotoptypen ausgewählt werden, da die Arten dann optimal an die Bedingungen auf der Empfängerfläche angepasst sind. Das Material für die Begrünungsmaßnahmen kann in naturnahen Wiesenbeständen innerhalb der definierten Herkunftsgebiete durch verschiedene Methoden gewonnen werden. Allen diesen Methoden ist gemeinsam, dass durch ihren Einsatz die floristische Identität des Naturraumes bewahrt wird und sich auf den Empfängerflächen naturraumtypische Pflanzenbestände etablieren können.


Mahd mit Kreiselmäher und Ladewagen (Foto: A. Kirmer).

Bei dieser Methode wird eine geeignete Fläche gemäht und das samenreiche Schnittgut entweder frisch (Mahdgut) oder trocken (Heumulch) auf die Empfängerfläche gebracht. Eine Gewinnung mit Großtechnik, d. h. Traktoren mit Mähwerk und Ladewagen, ist besonders kostengünstig. Auf steilen Flächen kann nur mit Kleintechnik (Hangschlepper, Einachsmotormäher) oder mit Freischneidern gearbeitet werden. Ein günstig gewählter Mahdtermin führt dabei zur erfolgreichen Übertragung einer breiten Palette von Arten, die sich bei günstigen Voraussetzungen auf der Empfängerfläche auch langfristig dort etablieren.

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Gesammelte Heublume in einer Saatschale (Foto: R. Schubert).

Die Methode der Heublumensaat ist bereits seit der Römerzeit bekannt. Bis ins 20. Jahrhundert nutzten Bauern die Heublume (das samenreiche Feinmaterial, das bei der Lagerung von Heu in Scheunen anfällt) zur Etablierung neuer Wiesenbestände. In Regionen, in denen ursprüngliche, artenreiche Wiesen noch traditionell genutzt werden und das Heu noch in Scheunen gelagert wird, ist die Gewinnung der Heublume heutzutage eine mögliche Alternative sowohl zur Anreicherung von artenarmem Grünland als auch zur Neuanlage von artenreichen Wiesen (Losvik & Austad 2002, Schubert 2009). Heuernte und traditionelle Heulagerung sind jedoch in ganz Europa stark im Rückgang. Da zudem die noch vorhandenen Wiesen immer artenärmer werden, ist es schwierig, qualitativ hochwertige Heublume zu gewinnen.

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Ernte von Wiesendrusch mit Parzellenmähdrescher (Foto: A. Kirmer)

Wiesendrusch mit Großtechnik (Foto K. May)

Beim Wiesendrusch-Verfahren wird eine artenreiche Wiese mit einem Mähdrescher gemäht und das Mahdgut im selben Arbeitsgang gedroschen. Die Schnitttiefe ist dabei variabel einstellbar und bestimmt neben dem Erntezeitpunkt die Artenzusammensetzung und die Samenausbeute. Das Samenmaterial kann frisch oder trocken auf die Empfängerfläche aufgetragen werden. Auf stark windexponierten und austrocknungsgefährdeten Flächen ist eine Mulchauflage empfehlenswert. Ohne Mulchauflage sollte die Fläche nach der Ansaat unbedingt gewalzt werden.

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Gewinnung von Heudrusch® (Foto: J. Engelhardt)

Wie beim Wiesendrusch wird beim Heudrusch®-Verfahren ausgedroschenes, grob gereinigtes samenreiches Material ausgebracht, das in der Regel in der unmittelbaren Umgebung der zu begrünenden Fläche gewonnen wurde (Engelhardt 2000). Der Unterschied zum Wiesendrusch-Verfahren liegt darin, dass das Mahdgut vor dem Dreschen erst auf der Fläche vorgetrocknet, in Rundballen gepresst und transportiert und dann in Scheunen fertig getrocknet wird. Der Markenname Heudrusch® ist geschützt; weitere Informationen sind unter www.heudrusch.de zu finden.

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Ausbürsten von Samen mit einem speziell angefertigtem Gerät, das von einem Traktor gezogen wird (Foto: J. Rieger).

Das Ausbürsten von Samen aus dem stehenden Bestand erfolgt mittels Spezialgeräten, die entweder von einem Traktor gezogen oder von Hand geführt werden. Im englischen Sprachraum sind die Begriffe „seed stripper“ (Scotton et al. 2009) und „seed brusher“ (Edwards et al. 2007) gebräuchlich. Die Artenzusammensetzung ist dabei stark vom Zeitpunkt der Beerntung, von der Bestandesstruktur und von der Arbeitsweise abhängig (Scotton et al. 2009). Wenn die Maschine langsam und mit hoher Bürstenrotation arbeitet, dann ist die Samenausbeute hoch, aber die Vegetation wird stark gestört. Wird die Maschine dagegen schnell und mit niedriger Bürstenrotation durch den Bestand gezogen, ist die Samenausbeute geringer, aber die Fläche kann mehrfach beerntet werden.

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Aufsaugen von Samen mit einem Saugmulch-Fahrzeug (Foto: R. Schubert)

Durch diese Methode werden Samen aus dem stehenden Bestand mit Samensaugern (Thormann et al. 2003, Stevenson et al. 1997) oder Saugmulch-Geräten (Schubert 2009) aufgesaugt. Der Samengehalt im Saugmulch ist in der Regel sehr hoch und es werden auch früh blühende und niedrigwüchsige Arten erfasst. Wird die Spenderfläche zu einem günstigen Zeitpunkt abgesaugt, führt eine einmalige Beerntung zur Übertragung eines Großteils der vorhandenen Arten. Um die Beeinträchtigung der Fauna gering zu halten, sollte die Ernte in der Mittagszeit durchgeführt werden, wenn die meisten Insekten eine hohe Aktivität zeigen. Um eine Überhitzung des dicht gepackten Saugmulches zu verhindern, muss das Material sofort auf der Empfängerfläche aufgebracht oder getrocknet werden.

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Ernte von Rechgut mit Laubbesen und Rechen (Foto: A. Kirmer).

Niedrigwüchsige Pflanzengesellschaften mit geringer Biomasseentwicklung können sehr gut mit Laubbesen oder Rechen beerntet werden (Jeschke 2008, Stroh et al. 2007). Das Rechgut enthält Moose und Flechten, Teile der Samenbank sowie Pflanzenteile und Samen. Es können auch Arten übertragen werden, die mit anderen naturnahen Begrünungsmethoden nicht oder nur in geringem Umfang erfasst werden.

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Abschieben von Oberboden in einem artenreichen Sandtrockenrasen (Foto: A. Kirmer)

Im Zuge von Bau- und Erdbewegungsmaßnahmen kann Oberboden, der eine dem Begrünungsziel vergleichbare Vegetation aufweist, abgeschoben und übertragen werden. Da durch die Entnahme des Oberbodens die Spenderpopulation zerstört wird, sollte eine großflächige Entnahme auf durch Bau- oder Sanierungsmaßnahmen gefährdete Standorte beschränkt bleiben. Die vollständige Versetzung einer Pflanzengesellschaft an einen neuen Ort, mit dem Ziel diese unverändert zu erhalten, wird als Habitatverpflanzung bezeichnet (Bullock 1998). Soll durch die Maßnahme nur eine Vegetationsentwicklung eingeleitet werden, können sowohl kleine Sodenstücke mit geringen Pflanzdichten pro Quadratmeter verwendet (Sodenversetzung) als auch der Oberboden ungeordnet aufgebracht werden (Sodenschüttung). Bei der Sodenschüttung ist zu beachten, dass mit zunehmender Tiefe die Menge an keimfähigen Samen in der Samenbank abnimmt. In der Regel wird deshalb nur die samenreiche Oberschicht bis zu einer maximalen Tiefe von 20 cm verwendet.

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Wildpflanzenanbau bei Halle/Saale (Foto: M. Stolle).

Wenn keine geeigneten Spenderflächen für Samenmischungen im Naturraum zur Verfügung stehen, können einzelne Arten von Hand gesammelt und von regionalen Produktionsbetrieben vermehrt werden. Zusaaten sind auch bei den vorgestellten Methoden sinnvoll, wenn im Spenderbestand wichtige Arten fehlen, nicht zur Fruchtreife gelangen können oder bereits seit längerem ausgefallen sind. Das Saatgut sollte regelmäßig von einer unabhängigen Kontrollstelle zertifiziert werden (siehe Liste Erzeuger- und Interessenverbände). Für die Qualität eines Zertifikates ist entscheidend, dass eine lückenlose Dokumentation von der Sammlung des Ausgangsmaterials bis zu den Vermehrungsbeständen vorliegt und Plausibilitätskontrollen hinsichtlich Vermehrungsflächen sowie der produzierten und gehandelten Samenmenge durchgeführt werden.

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Die Umsetzung von naturnahen Begrünungmethoden wird in verschiedenen Projekten der Hochschule Anhalt praktiziert


Versuchsflächen mit Rechgut bei Trebon.

beteiligte Länder Eingesetzte Methoden

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Deutschland
Tschechien
Mahdgut
Ansaaten
Rechgut
Spontansukzession

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Versuchsflächen mit Mahdgut und Wiesendrusch auf dem Campus Strenzfeld.

beteiligte Länder Eingesetzte Methoden

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Deutschland
Italien
Österreich
Polen
Slovakei
Tschechien
Mahgut
Heumulch
Wiesendrusch
Ausgebürstete Samen
Ansaaten

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Blütenreiche Stromtalwiese mit Iris sibirica und Lychnis flos-cuculi

beteiligte Länder Eingesetzte Methoden

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Deutschland Mahgut
Wiesendrusch
Ansaaten

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Abplaggen zur Stärkung von Populationen von Jurinea cyanoides

beteiligte Länder Eingesetzte Methoden

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Deutschland Ansaaten
Sodenschüttung

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Stand: 16.11.2011